FAMILIENTREFFEN 2010 IN LAUF AN DER PEGNITZ AM 25. SEPTEMBER

In diesem Jahr trafen wir uns zum 15. Familientreffen der von der Grün´s in Lauf an der Pegnitz.

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Die Ausführungen im Rahmen eines interessanten Vortrags von Helmut sind unten zu lesen und hier als pdf Download zu finden.

15. Familientreffen am 25. September 2010 in Lauf

Schloss Hofeck im Besitz der Familie von der Grün von 1479 bis 1560

Helmut von der Grün, 25.09.10

Wer sich die von Thomas gestaltete Web-Seite unserer Familie unter dem Stichwort „Familientreffen“ angesehen hat, konnte hier bereits einen Hinweis auf unser diesjähriges Thema finden.

Wappen vdg

Es handelt sich um unser Familienwappen, das in ein Fenster eines Schlosses eingebracht ist. Für diejenigen, die dieses Fenster nicht kennen, darf ich verraten, dass es in Hof und zwar - genauer gesagt - im Schloss Hofeck des 1906 nach Hof eingemeindeten gleichnamigen Ortsteils entdeckt werden kann.

Lage Hofeck

Bild 1 - versteckte Lage im Ortsteil Hofeck nordwestlich von Hof

Hofeck von oben

Bild 2 - Lage von Schloss Hofeck

Dort können wir ein sehr schön restauriertes Schloss bewundern. Hinweisen möchte ich auf die Dreiteilung des Schosses: den ovalen Ostbau, den rechteckigen Mittelbau und den langgestreckten Osttrakt. Ein eingehauster Gang führt zum östlich gelegenen, nach 1973 erbauten Gästehaus.
Glücklicherweise war es mir möglich, das Schloss, das für die Öffentlichkeit sonst nicht zugänglich ist, zu besichtigen. Darüber hinaus haben mich dankenswerter Weise einige Familienmitglieder mit Unterlagen versorgt, so dass ich Ihnen über dieses Schloss und seine früheren Besitzer, darunter natürlich auch Mitglieder unserer Familie, berichten kann. Vom Schloss können wir heute leider nur - von der Zufahrt aus - einen kleinen Ausschnitt sehen, weil der Komplex von fast allen Seiten von hohen Bäumen umgeben ist.

Fassade Hofeck

Bild 3 - Fassade von Schloss Hofeck heute

Allenfalls im Winter, wenn das Laub von den Bäumen gefallen ist, kann man auch von Südosten her einen kurzen Blick auf das Schloss werfen.

Hofeck im Winter

Bild 4 - Schloss Hofeck im Winter

Einen besseren Blick auf das Schloss hatten wohl verschiedene Künstler, deren Werke ich kurz zeigen möchte:

Hofeck Gemälde

Bild 5 - Gemälde von Johann Christian Reinhart (1761 – 1847), der in Hof geboren und aufgewachsen ist, Mitglied der Königlichen Akademie der Künste in München, Hofmaler von König Ludwig I.

Im Mittelbau sehen wir noch ein 4-stöckiges Gebäude mit Giebeldach, im ovalen Teil sind ein Turm und ein nach Westen an den Mittelteil angebautes Haus mit Walmdach zu erkennen. Der Bewuchs rund um das Schloss ist noch spärlich.
Wer das Schloss auf einer felsigen Anhöhe erbaut hat und wann, ist leider nicht genau bekannt. Georg Schwarz geht in seiner Abhandlung „geschichtsträchtig und sagenumwoben“ davon aus, dass nach der Teilung des Weidaer Geschlechts (Weida, am östlichen Rand von Thüringen, etwa 12 km südlich von Gera gelegen, gehörte zum Kurfürstentum, später Königreich Sachsen) 1238 der Vogt von Gera – zum Schutz seiner Besitzungen um Hof – Hofeck als befestigten Stützpunkt erbauen ließ und auf diesen Vogtshof einen Ritter Murring setzte. Die Vögte von Weida (daher der Name „Vogtland“) waren 1248 von den Andechs-Meraniern mit dem Territorium um Hof (damals Rekkenze bzw. Regnizi genannt) belehnt worden. Sie verkauften das Gebiet allerdings im Jahre 1377 an die Burggrafen von Nürnberg aus dem Hause Hohenzollern, in deren Händen es bis zum Jahr 1806 als Markgraftum Brandenburg - Kulmbach und nach Verlegung der Residenzstadt nach Bayreuth als Markgraftum Brandenburg – Bayreuth blieb.
Von Karl Bedal „Schloss Hofeck im neuen Gewand“ wissen wir aber, dass der Rittersitz der Familie Murring schon im Jahre 1250 erstmals urkundlich erwähnt wird.
Der erste Bau, die Keimzelle des Schlosses Hofeck, war nach seinem Besitzer, dem Ritter Murring benannt als Murringhof und diente wohl zusammen mit dem Wasserschloss Unterkotzau zur Verteidigung der „Roten Furt“ durch die Saale. An dieser Furt liegt das etwa 900 m Luftlinie nördlich von Hofeck das Wasserschloss Unterkotzau. Im Urkataster von 1853 sind die Lage des Schlosses und der frühere Verlauf der Saale noch zu erkennen.

Rote Furt

Bild 6 - Die frühere „rote Furt“ durch die Saale und das Wasserschloss Unterkotzau (grün markiert)

Der Murringhof wurde im Jahre 1388 durch Eger in der Fehde des deutschen Städtebundes gegen die vogtländische und fränkische Ritterschaft erstürmt, zerstört und die Reste abgebrannt.
Hans Hofner führt in seiner Abhandlung „Der Murringhof und Schloss Hofeck“ aus: „1388 scheinen die Murring ohne Schaden an Leib und Lehen aus der Fehde mit Eger hervorgegangen zu sein; denn 1390 nennt die Amtsbeschreibung fünf Ritter Murring und „des Murrings sitz und hoff wirdet gepauet und halben paue an allerley getreydes“. Die Kriegsfolgen waren also beseitigt.“
Bei der Renovierung des Schlosses im Jahre 1973 wurden bei Grabungsarbeiten im Bereich des heutigen Gästehauses Reste von Mauern gefunden, die darauf hindeuten, dass sich im Bereich von Hofeck eine weitere kleine Burg befunden hat.

Der Murringhof bzw. das Schloss Hofeck wechselte, nachdem der letzte Murring 1450 kinderlos starb, in der Folgezeit sehr häufig den Besitzer.
Die für Schloss Hofeck wohl wichtigsten Familien sind im gezeigten Fenster mit ihren Wappen und der Jahreszahl der Übernahme des Gebäudes festgehalten. Insgesamt gab es nämlich 18 Familien, die Hans Hofner in seiner o.g. Abhandlung mit Namen und Wappen festgehalten hat. Im Wappenfenster finden wir

1. die Ritter von Murring Anno 1250
2. von Aufseß Anno 1420
3. von Waldenfels Anno 1464
4. von der Grün Anno 1479
5. von Redwitz Anno 1570
6. von Beulwitz Anno 1648
7. Sichart von Sichartshofen Anno 1806
8. Dr. h.c. Hans Viessmann 1972

Wappenfenster

Bild 7 - Wappenfenster

Stammbaum 1 Jobst

Bild 8 - Stammtafel der Familie von der Grün I Teil 1

Zum ersten Mal tritt also die Familie von der Grün als Lehensnehmer des Schlosses Hofeck mit Jobst von der Grün (431) im Jahre 1479 in Erscheinung. Um den letzten gemeinsamen Ahnherrn mit den heute lebenden Familienmitgliedern aufzufinden, müssen wir weit in der Familiengeschichte zurückblättern und zwar bis zum zwischen 1250 und 1260 verstorbenen Konrad (340). Dieser Konrad hatte drei Söhne:

1. Nikolaus von der Grün zu Wildenstein (341), den Vater des Friedrich (346), der der Ahnherr aller noch lebenden von der Grün ist,
2. Konrad von der Grün (342), der sich Reitzensteiner nannte, der Stammvater der Freiherrn von Reitzenstein und
3. Wolfrum (343), geboren um 1300.

Wolfrum (343) wiederum hatte ebenfalls drei Söhne, von denen uns heute nur Heinrich (415) interessiert. Heinrich war Deutschordenspfleger. Er starb 1341. Seine Söhne Nikolaus (416) und Konrad (427) erscheinen als Stifter jeweils einer Linie. Konzentrieren wir uns nun auf Konrad (427):
Wir finden ihn 1388 zu Hartwigsreut, später Hertmannsreut und Hartmannsreut. Sein Sohn Georg wird am 3.2.1427 von Markgraf Friedrich von Brandenburg mit Hartmannsreut bei Feilittsch belehnt. Dessen Sohn wiederum ist jener Jobst (431), dem wir im Zusammenhang mit Schloss Hofeck begegnen. Im Jahr 1479 verkaufte Heinz von Waldenfels den Sitz Hofeck an Jobst von der Grün (431), der im Jahr 1477 die Witwe des Hans von Waldenfels, Hauptmann zu Hof, Margarete (1089), geheiratet hatte, also die Mutter des Verkäufers Heinz von Waldenfels. Die Familie von der Grün war damit nach den Murrings, den Herrschaften von Aufseß und von Waldenfels der vierte Besitzer.
Bilder, die den damaligen Sitz Murringhof im 14., 15. oder 16. Jahrhundert zeigen, besitzen wir leider nicht. Neben dem oben gezeigten Bild von Johann Christian Reinhart gibt es nur ein Bild aus der Jugendzeit des Malers mit Schloss Hofeck, wie es sich im Jahre 1781 darstellte.

1781 von der Grün

Bild 9 - Aquarell von 1781

Hofeck um 1850 finden wir, festgehalten auf einer Lithographie von Georg Könitzer.

150 von der Grün

Bild 10 - Lithographie um 1850 von Georg Könitzer (1818 – 1884), einem Hofer Maler

Auf diesem Bild befindet sich auf dem Mittelbau schon die heutige Dachform als Walm. Im ovalen Teil des Schlosses sind der Turm und der Anbau an den Mittelteil zu einem einheitlichen Baukörper zusammengefasst.
Letztlich habe ich noch eine Zeichnung eines mir unbekannten Künstlers gefunden, die eine Nordwestansicht von Schloss Hofeck mit Hof in der Ferne aus dem 18. Jahrhundert zeigt.

18. Jahrhundert von der Grün

Bild 11 - Abbildung aus dem 18. Jahrhundert

Der erwähnte häufige Besitzerwechsel von nicht weniger als 18 verschiedene Adels- und Ritterfamilien führte dazu, dass der Baukörper des Schlosses über mehrere Jahrhunderte immer wieder nach deren Bedürfnissen und Vorstellungen verändert wurde. So läßt sich heute nicht mehr genau klären, wann welcher Bauteil entstanden ist. Mit Sicherheit aber hatte Hofeck zu der Zeit, als die Familie von der Grün in Erscheinung trat, noch nicht das Aussehen des Schlosses von heute. Eines jedoch weiß man: Schloss Hofeck war damals bereits gut befestigt. Zum einen taucht in Urkunden aus den Jahren 1402 und 1413 der Name „Hoffeck in der höfischen Art gelegen“ auf. Zum anderen hatte der damalige Landesherr, der Markgraf Albrecht, Hans von Waldenfels 1464 mit Schloß Hofeck samt Höfen in Wölbattendorf belehnt, wobei in der Belehnungsurkunde u.a. ausgeführt ist:
» doch behalten wir uns, unseren erben und herschaft vor die Öffnung an dem ermelten slos zu allen unsern nöten und kriegen gein allermenniglichen, so oft das not sein wirdet, on alle widerrede, irrung und on alles gerede . . .«
(Die Ausbedingung des Öffnungsrechtes für den Landesherren beweist, daß Hofeck als festes Haus errichtet war und die Anerkennung als Burg hatte; denn nur für Burgen wurde vom Lehensherren diese Klausel in die Lehensbriefe eingeschlossen.) (Siehe Hofner aaO).

Grundriss Hofeck

Bild 12 - Grundriss Schloss Hofeck

Wir können daher davon ausgehen, dass der stark befestigte Mittelteil A des heutigen Schlosses den frühesten Bauteil darstellt. Die Mauern weisen hier Stärken zwischen 1,50 m und 3,00 m auf, wie man sie von Wehrbauten her kennt (Bedal aaO).

Eingangsportal

Bild 13 - Eingangsportal

Heute führt der Eingang zum ovalen Gebäudeteil, während er früher wohl im Mittelteil lag.
Das Gebäude mit seinen vor 1850 vorhandenen vier Stockwerken hatte die Form eines wehrhaften Wohnturmes.

Längsschnitt Hofeck

Bild 20 - Längsschnitt Schloss Hofeck

„Ob der an diesem Teil angefügte runde Treppenturm zu dem ältesten Bauteil zu rechnen ist, und somit eine Art Bergfried darstellt, kann laut Bedal (aaO) nicht so ohne weiteres geklärt werden. Dagegen spricht allerdings der nur 5 m betragende äußere Durchmesser des Turmes. Er liegt außerhalb des Mittelbaues bereits im westwärts anschließenden ovalen Teil (B).
Dieser Westteil weist im Erdgeschoß ebenfalls die wuchtige Mauerstärke von 1,50 m auf. Die in diesem Bereich liegenden Räume besitzen Kreuz- und Tonnengewölbe. Selbst der Unterbau des Treppenturmes ist gewölbeartig gestaltet.
Reste der früheren hölzernen Wendeltreppe, die bei der Wiederherstellung in den 1970-iger Jahren in Stein ausgeführt wurde, liegen noch auf dem Dachboden.
Von Turm aus führt ein über 3 m breiter und 3,50 m hoher Gang mit Tonnengewölbe durch den Mittelbau. Das Gewölbe ist zwar in Beton ausgeführt, stammt also aus neuer Zeit, aber die Neigung des Ganges und des Gewölbes in Richtung Stall scheint darauf hinzudeuten, daß der Gang eine besondere Funktion hatte.
Es könnte hier der ursprüngliche Eingang zur Burg vermutet werden, es könnte aber auch ein Treppenhaus gewesen sein für die Zeit, als die Burg zwei Familien gehörte, wie Hofner in alten Urkunden feststellen konnte.“ (Bedal aaO.)
Wir müssen also davon ausgehen, dass der Familie von der Grün damals jedenfalls der Mittelteil und vielleicht der Turmanbau zu Verfügung stand.
Der sich nach Osten anschließende Gebäudeteil stammt aus dem Frühbarock, also etwa aus den Jahren nach 1575. Er stand daher der Familie von der Grün wohl noch nicht zur Verfügung. Bei diesem Bau handelt es sich übrigens im Erdgeschoß um den Pferdestall (heute Konferenzsaal) mit anschließender Remise für den Fuhrpark.
Lange konnte sich Jobst an seiner Burg nicht erfreuen: Er starb bereits 3 Jahre nach seiner Heirat im Jahr 1480.
Sein Sohn Wilhelm (433) wurde 1479 mit Schloss Hofeck samt den Wöllbattendorfer und Pretschenreuther Höfen belehnt. Außerdem erwarb Wilhelm das Gut Schartenhof und Höfe in Unterkotzau hinzu. Um aufkommende finanzielle Schwierigkeiten abzuwenden, veräußerte er am 17.11.1492 einen Hof zu Wöllbattendorf, den sein Vater im Zusammenhang mit Hofeck übernommen hatte. Am 20.7.1509 wird er zum Marschalk in Ansbach bestellt. Seine Aufgabe war es, dort den Marstall zu beaufsichtigen. 1513 wird ihm die Verwaltung des Amtes Streitberg übertragen. 1520 finden wir ihn als Hauptmann zu Hof. Zum Kriegshauptmann bestellt soll er 1525 den Bauernaufstand niederwerfen. Er spielte also Anfang des 16. Jahrhunderts eine nicht unbedeutende Rolle.
Wilhelm (433) war zweimal verheiratet: 1517 in erster Ehe mit Veronika von Reitzenstein, die allerdings um 1530 verstarb. Wilhelm war damals Amtmann zu Schauenstein. 1532 heiratete er in zweiter Ehe Gutta von der Planitz.
1537 veräußerte er etliche Lehen zu Pretschreut an den Stadtrat zu Hof.
Wir haben von Wilhelm ein Bild, auf dem er aber leider nicht zu erkennen ist.

Ritterkampf

Bild 21 - Ritterkampf von Wilhelm von der Grün mit dem Herzog von Sachsen 1506

Es ist der den meisten von Ihnen bekannte Stich, der Wilhelm von der Grün im Wettkampf mit dem Herzog von Sachsen, Johann dem Beständigen, anlässlich eines Turniers auf der Plassenburg im Jahre 1506 zeigt. Diesen Stich hatte Georg von der Grün während seiner Forschungsarbeiten in Dresden entdeckt. Ich habe leider nur eine schlechte Kopie hiervon. Herzog Johann (Hans) hatte nach dem Tod des Vaters Ernst zusammen mit seinem Bruder Friedrich das Kurfürstentum Sachsen übernommen und war, als sein Bruder Friedrich 1525 starb, Kurfürst von Sachsen geworden. Johann wird als rauher, militärisch interessierter Mann beschrieben, der große Liebe zur Jagd und zum Turnier hatte. Nun wissen wir zwar nicht, wer das im Kupferstich gezeigte Turnier wirklich gewonnen hat. Hans hat wohl den Kopf bereits auf dem Boden, während Wilhelm noch im Fallen ist. Als der im Rang Niedrigere war Wilhelm aber gut beraten, sich ebenfalls aus dem Sattel gleiten zu lassen, um den Herzog nicht bloßzustellen und evtl. gegen sich aufzubringen. Nach dem Tod des Wilhelm (433) übernahm 1542 zunächst sein Sohn Albrecht (435) das Schloss Hofeck. Im Jahre 1543 wurden dann seine drei Söhne des Wilhelm: Friedrich (434): Hans Albrecht (435) und Kasimir (436) gemeinsam mit Hofeck belehnt. Von Friedrich (434) möchte ich Ihnen eine Begebenheit nicht vorenthalten:
Friedrich war in die Dienste des Kurfürsten August von Sachsen getreten und ist als Erbauer der Festung Wittenberg bekannt geworden. Diese Bauarbeiten waren aber oft nicht mit Beeinträchtigungen von Grundstücksnachbarn verbunden. Friedrichs Pech war nur, dass auch das Anwesen von Martin Luther betroffen war. Luther hat sich – wohl im Herbst 1541 – dagegen sprachgewaltig und mit sehr derben Worten in einem Brief wie folgt beschwert:

MARTIN LUTHER
AN FRIEDRICH VON DER GRÜNE
CHURFÜRSTLICHEN ZEUGMEISTER
UND FESTUNGSINGENIEUR
ZU WITTENBERG

Wohl Ende 1541
Von der Grüne plante im Herbst 1541 einen neuen Wallbau, der Luthers Haus erheblich beeinträchtigte.

Mein lieber Zeugmeister.

Ihr wißt, daß Euch von meinem gnädigen Herrn *) verboten ist, mir zu nahe oder zu Schaden zu bauen. Nun fahret Ihr zu aus eigenem Streit und Frevel und verschüttet mir das Mittelgemach bis zum Gitterwerk, was Euch ohne Zweifel, da es gegen den Befehl des gnädigen Herrn und gegen meine Einwilligung geht, der Teufel anbefohlen hat. Wie es denn Jedermann spürt und öffentlich schreibt, daß es Euch nicht um Euern Bau, sondern um das Haus zu tun ist, mich hinaus zu nötigen und Kurfürstlichen Brief und Siegel in den Dreck zu treten. Demnach ists mein Wille, Ihr wollet bald nach Erhalt dieser Schrift denselbigen Schutt von dem anderen Gemach wieder fortführen, denn ich will ihn dort nicht leiden, da habt Ihr Euch nach zu richten. Desgleichen will ich mein Brautor, das Ihr zu meinem Verdruß mit Steinen verdorben habt, wieder von Euch ausgebessert haben, auch von Euch versichert sein, daß der Schutt mir nicht die Mauer einstoße. Werdet Ihr solches nicht tun, so will ich mir von Euch als einem gottlosen Knecht nicht nehmen lassen, was ein Christlicher Fürst mir gegeben, versiegelt und verbrieft hat und wills alles meinem Gnädigen Herrn anzeigen.
Denn des sollt Ihr gewiß sein, daß ich für Euern verfluchten Bau, mit dem Ihr meinem Gnädigsten Herrn den Beutel räumt, auch nicht ein Haar breit räumen will. Und hiemit Gott befohlen, der Euch bekehre und anders mache, da Ihr sonst binnen Kurzem im Abgrund der Hölle wäret. Das aber will ich Euch nicht wünschen und hätt' auch sonst solch Schreiben an Euch nicht gelassen. Damit ich aber vor Gott entschuldigt sei und Ihr Eure Sünde und Bosheit selbst tragen müßt, so sollt Ihr hiemit verwarnt sein. Es sind schon viel größere Teufel und Tyrannen gewesen, als Ihr, sie sind aber alle dahin und haben die Sonne am Himmel müssen stehn lassen.

Martinus Luther D

*) Der Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen.
Der Brief ist an unwesentlichen Stellen gekürzt.

Erschienen im Verlag August Lutzeyer Frankfurt „Der grobe Brief“ S. 30/31

Der Bruder des Friedrich (434), Kasimir (436) trat in den Kriegsdienst seines Landes- und Lehensherrn und führte dem Markgrafen Albrecht dem Jüngeren für den Schmalkaldischen Krieg einen Kuirassier mit sechs Knechten zu Fuß zu. Er fiel als Rittmeister in der Schlacht bei Rochlitz am 2. März 1547.
Hans Albrecht (435), der dritte Sohn des Wilhelm übernahm die Güter des Vaters Wilhelm (433). Schon 1560, also zwei Jahre vor seinem Tod mußte aber Hans Albrecht, bedingt durch hohe Schulden, Hofeck an David von Kotzau zu Fattigau verkaufen, nachdem es trotz mitunter unruhiger Zeiten, die mit der endgültiger Einführung der Reformation 1529 und dem Zweiten Markgrafenkrieg (sieben-wöchige Belagerung von Hof 1553 durch nürnbergische und königlich-böhmische Truppen) verbunden waren, über 80 Jahre im Besitz der Familie von der Grün gewesen war. Hans Albrecht (435) war mit Katharina von Künsberg verheiratet. Als er 1566 starb, hinterließ er vier unmündige Söhne: Wilhelm (437), Rudolf Wolf (438), Ernst (439) und Ulrich (440).
Rudolf Wolf (438) starb 1577 als Student in Tübingen. Ulrich (440) verübte in Feuchtwangen eine Tätlichkeit und scheint ins Ausland gegangen zu sein. Von Ernst (439) ist uns nichts bekannt.
Wilhelm (437) wohnte nach Veräußerung der Stammgüter zunächst in Hof. Im Jahre 1593 erwarb er von Georg Wolf Rabensteiner die Behausung zu Tauperlitz. Da er keine männlichen Nachkommen hatte, ließ er sich von seinem Lehensherren die Befugnis einräumen, das Gut frei veräußern und von Todes wegen hierüber verfügen zu dürfen. Wilhelm heiratete 1592 Magdalena von Zedwitz und starb kinderlos am 30. August 1612 zu Tauperlitz.
Leider ist mit dem Tod der vier Enkel von Wilhelm (437) und zwar Wilhelm (437): Rudolf-Wolf (438), Ernst (439) und Ulrich (440) diese Linie im Mannesstamm Anfang des 17. Jahrhunderts erloschen.

Das weitere Geschick von Schloss Hofeck ist ebenfalls schnell erzählt:
Es folgten immer schnellere (insgesamt 14 weitere) Besitzwechsel bis schließlich die Viessmann – Gruppe im Jahre 1972 das Anwesen übernahm und umfassend sanierte. In der Zwischenzeit waren nämlich schon einige Türen und Fenster eingeschlagen worden, der Putz war zum Teil abgefallen und Kachelöfen waren eingefallen.
Heute erstrahlt das Schloss in neuem Glanz. Bedauerlich ist nur, dass es für die Allgemeinheit nicht zugänglich ist.

Helmut von der Grün im September 2010

Literatur:
Aufsatz von Hans Hofner „Der Murringhof und Schloss Hofeck. Zur Geschichte eines vogtländischen Rittersitzes am Stadtrand von Hof“, in Nordostoberfränkische Monatsschrift für Kunst und Kultur XX. Jahrgang – September 1974 – Nr. 9.

Aufsatz von Karl Bedal „Schloss Hofeck im neuen Gewand. Zum Abschluss der Restaurierungsarbeiten in Nordostoberfränkische Monatsschrift für Kunst und Kultur XX. Jahrgang – September 1974 – Nr. 9.

Aufsatz von Georg Schwarz „Schloss Hofeck geschichtsträchtig und sagenum-woben“, Herausgeber unbekannt

Geschichte der Familie von Reitzenstein, Erster Teil von Hermann Freiherr von Reitzenstein, München 1891 Seiten 309 - 318

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